Dienstag, 30. September 2014

CSU will bei Altstadtsanierung an historische Brunnenstandorte erinnern


Von: Werner Schulz

Nach Ansicht der CSU-Stadtratsfraktion und ihres Vorsitzenden Dr. Hans-Jürgen Schönberger (r.) und von Bürgermeister Hermann Falk (2.v.l.) sollte im Zuge der Altstadtsanierung an die ehemaligen Stadtbrunnen erinnert werden. Stadtheimatpfleger Sepp Strobl (2.v.r.) klärte die CSU’ler ausführlich über die Geschichte der Hirschauer Brunnen und Wasserversorgung auf. Mit im Bild beim Standort ehemaliger „Unterer Bräuhausbrunnen“ an der südwestlichen Rathausecke 3. Bürgermeister Peter Leitsoni (l.).

Bis zum Jahr 1951 blieb der Bau einer Wasserleitung ein Wunschtraum der Hirschauer Bürger. Bis dahin gab es in der Stadt keine Wasserleitung. Alle die keinen eigenen Hausbrunnen hatten, holten ihr Wasser aus 18 öffentlichen Brunnen. Zehn davon gab es im Altstadtbereich, vier in ihrem näheren Umfeld. Die CSU-Stadtratsfraktion mit ihrem Vorsitzenden Dr. Hans-Jürgen Schönberger und Bürgermeister Hermann Falk wollen die Altstadtsanierung als Möglichkeit nutzen, den Bürgern und Touristen die alten Stadtbrunnen und ihre Standorte durch eine besondere Kennzeichnung näher zu bringen. Um für dieses Vorhaben sachkundige Ratschläge zu erhalten, unternahm man einen Rundgang zum Thema historische Brunnenstandorte. In Stadtheimatpfleger Sepp Strobl hatte man für die Geschichtsstunde den in Hirschau kompetentesten Führer engagiert. Er fütterte die wissensdurstigen CSU’ler förmlich mit Informationen über die alten Stadtbrunnen und deren Nutzung.

Er zitierte aus einem Schreiben, in dem sich Stadt im März 1831 wegen eines neuen öffentlichen Brunnens an das Königliche Landgericht in Amberg wandte. Darin hieß es: „Die hießig unteren Stadtbewohner bedürfen dringend einen ganz neuen und zweiten öffentlichen Pumpbrunnen. Angebotener Costenanschlag in Duplo entziffert einen Aufwand von 28 Gulden 17 Kreuzer“. Die Stadtbrunnen seien in Holzbauweise errichtet gewesen, deren Reparatur von einem eigens ernannten Magistratsmitglied überwacht und an die örtlichen Zimmermeister vergeben worden. So habe z.B. Zimmermeister Andreas Leistl am 17. Juli 1900 an den „löblichen Magistrat“ geschrieben: „Auf die Zuschrift vom 6. Juli 1900 die Brunnenreparaturen auf weitere fünf Jahre will ich mein Offert an den löblichen Magistrat einreichen und erlaube mir folgende Kenntnis zu bringen. Ich habe seit 20 Jahren die Reparatur an 8 Brunnen besorgt, leider kam ich mit dem genehmigten Pauschal nicht aus.“ Um die laufenden Kosten niedriger zu halten habe das Kollegium am 4. Oktober 1900 beschlossen: „Der Brunnen neben der Apotheke soll umgebaut, Cementrohre eingesetzt und mit einem Pumpenständer versehen werden.“ Im Laufe der Jahre seien alle Brunnen so umgebaut worden. Diese Brunnenbauweise habe bis 1952 bestanden.

Verursacht durch die beiden Weltkrieger 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 sei der Bau einer Wasserleitung weiter ein Wunschtraum geblieben, obwohl die fertige Planung des Projekts seit 1938 beim Wasseramt in München vorlag. Am 4. September 1950 sei der Spatenstich zum Bau der Wasserversorgung getan und das ganze Hauptnetz noch vor Wintereinbruch verlegt worden. Am 4. Juli 1951 sei es so weit gewesen. Das erste köstliche Nass sei aus den Wasserhähnen in den Häusern gekommen. In den Jahren 1952/1953 sei die Zeit der Stadtbrunnen endgültig vorbei gewesen. 1956 seien 606 von 621 Wohngebäuden ab das Wassernetz angeschlossen gewesen.

Da die Sanierung im Bereich „Oberes Tor“ beim ehemaligen Fischerhaus“ noch nicht ganz abgeschlossen ist, könnte nach übereinstimmender Meinung von Bürgermeister Falk, CSU-Fraktion und Sepp Strobl dort der historische Brunnenstandort nachgebildet werden. Gleiches wäre in der „unteren Stadt“ möglich, wenn man den Standort wegen des neuen Verlaufs der Straße etwas nach Norden etwa auf Höhe des Anwesens Hauptstraße 20 versetzen würde. Als weitere Möglichkeit wurde der bodengleiche Einbau einer beschrifteten Granitplatte bzw. in Gusseisenform erachtet. So könnten alle ehemaligen Innenstadtbrunnenstandorte kenntlich gemacht werden. Neben dem Brunnen am „Oberen Tor“ und dem „Unteren Brunnen“ käme das für die Brunnen in der Kloster- und Hirtengasse in Frage, für den „Katzenbrunnen“ im Lubergäßchen, den Brunnen beim ehemaligen Knabenschulhaus, dem „Brauner Brunnen“ und dem „Oberen“ bzw. „Unteren Bräuhausbrunnen“. CSU-Fraktions-Chef Dr. Schönberger war der Meinung, dass auf jeden Fall die Gestaltung des neuen Marktplatzbrunnens nochmals eingehend im Stadtrat diskutiert werden sollte. Es gehe darum, eine nachhaltige, vielschichtige, auf die Stadthistorie bezogene und künstlerisch anspruchsvolle Lösung zu finden.

Hinsichtlich der Marktplatzgestaltung wartete Sepp Strobl mit einem weiteren Vorschlag auf. Ursprünglich war der Marktplatzab 1909 mit Katzenkopfpflaster gelegt, wie man es heute noch an den Straßenrändern der Postgasse vorfindet. Um dies in Erinnerung zu rufen, sollten „Katzenköpfe“ auf einer kleinen Fläche vor dem Kreuz an der Ostseite des Rathauses eingebaut werden. Außerdem machte Strobl auf zwei markanten Fundstücke aufmerksam. Die Erdarbeiten an der Südostseite des Rathauses hätten einen alten Straßenmarkierungsstein ans Tageslicht gebracht. Er werde dort wieder angebracht, wie es auf alten Fotos vor der 1963 beim Umbau der B14 zu sehen ist. Ebenso sollte ein alter, derzeit im Bauhof lagernder Dachrinnenabfluss aus Granit, der an der Ecke Postgasse/Hauptstraße gefunden wurde, wieder positioniert werden.